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Frau C. aus W. – oder: darf es ein bisl weniger sein?

Dieses Shooting ist bestimmt schon 5 Jahre her. Eine damalige Arbeitskollegin bat mich, von ihr Fotos zu schiessen. Klar! Als sie sagte, wofür sie die Fotos haben wollte, wurde mir im selben Moment schlecht. Sie brauchte die Fotos für einen Kalender, den sie auch noch verschenken wollte: an ihren Freund. Richtig! Es sollten „delikate“ Fotos werden. Ok. Ich hatte zugesagt, wie immer viel zu impulsiv. Die nächsten Tage befand ich mich immer in Gedanken in meiner Kameratasche, ob sich da nicht vielleicht zufällig ein lichtstarkes WW-Objektiv verfangen hatte…hatte es natürlich nicht. Ausser meinem Kit gähnende Leere.
Da waren sie wieder – meine zwei Probleme: zu wenig Equip und…zu wenig Equip. Meine Gedanken fegten zwischen „Oh Gott das wird nie was!“ und „Wie kann ich nur?“ hin und her. Nun gut.
Der grosse Tag nahte und ich packte meine geladene Cam, mein Kit…also mein Equip in meine Tasche, packte noch den alten Baustrahler und ein paar Tücher ein und machte mich auf den Weg.

Die „Location“: In einem ca. 15qm grossen, ziemlich dunklen Zimmer mit Dachschrägen befand sich ein Sofa, ein Tisch und ein Sessel, Süssies auf dem Tisch, Cola und Kerzen. Gemütlich einladend! Innerhalb kürzester Zeit heizte sich der Raum während des Shootings durch den Baustrahler so dermassen auf, dass wir gar keine Glanzcreme (hatte Frau C. vorsorglich besorgt!) mehr brauchten – statt dessen leerten wir nach und nach Muttern’s Zewa-Dose.

Nach fünf Stunden Shooting und gefühlten 10 Litern Cola waren beide fix und fertig und meine Nerven lagen blank – waren es doch nur noch 3 Wochen bis Weihnachten und die Zeit liess kein zweites Shooting zu – also die Dinger mussten im Kasten sein! Ich war gespannt. Am gleichen Abend noch „entwickelte“ ich die Bilder und siehe da: es fanden sich ca. 56 brauchbare Bilder. Schick auf CD gebrannt überreichte ich Frau C. aus W. einen Tag säter die fette Beute. Später berichtete sie mir in buntesten Farben, wie das Geschenk ankam. Puh! Alles gut. Der Spass an dem Nachmittag und die Ausbeute haben mich für meinen Nerventanz mehr als entschädigt. Gut – es sind keine „Profi-Bilder“ und heutzutage würde ich vieles anders machen, was die Beleuchtung angeht (ich bin übrigens immer noch mit meinem Baustrahler unterwegs!), aber ich finde, die Ausbeute ist für diese Improvisationsaktion recht ordentlich.

Ich stelle mir beim Anblick von leckeren Profilinsen oder neuen Cams immer mal wieder die Frage: muss es immer viel sein? Nein. An den folgenden paar Bildern möchte ich zeigen, dass wenig manchmal mehr sein kann – und damit meine ich nicht die nicht vorhandene Kleidung von Frau C. Es gibt wirklich Möglichkeiten, aus Dreck Gold zu machen. Heutzutage ist meine Kameratasche etwas praller gefüllt und es haben sich 3 Linsen dazugesellt. Objektive sind in der Bucht gelandet, andere sind mir zugelaufen (ganz neue Definition von „Wechselobjektiven“…). Bisl Kleinkram, ein alter Blitz, Fernbedienung, Filter, etc. – was sich so über die Jahre zusammensammelt. Na klar würde ich auch gern mit einer „ProfiCam“ und riesigen, grauen L-Objektiven durch die Gegend springen – aber muss ich nicht. Zwar stoße ich hier und da an meine Equip-Grenzen – gerade bei dunklen Konzerten, Bandshootings, etc. – aber dann improvisiert man eben irgendwie. Das macht die Sache spannend, finde ich. Und letztendlich kommt es ja darauf an, dass es einem gefällt. Von dem Entstehungsprozess kann man dann seinen Enkeln noch erzählen!

Nun denn, es wird irgendwann bestimmt die Zeit kommen, wo ich mir „L & co.“ und mein Studio am Meer leisten kann – und selbst dann werde ich immer noch meinem Grundsatz treu bleiben: Mach aus Scheisse Gold, da haste mehr von!

In diesem Sinne: reinhaun!

 
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Verfasst von - 04-02-2012 in dies&das

 
 
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